Schatzkammer Alpen

Alpine Edelsteine 1

                                                   William Lergier Wilderswil Schweiz  und Stefan Weiss München


In folgendem Bericht möchten wir zeigen, dass Edelsteine aus den Alpen durchaus verarbeitungswürdig sein können. Weitere Artikel zu diesem Thema werden folgen, u.a. über Neufunde der grössten Schweizer Sphene in Edelsteinqualität (WEISS & RIZZI)

Die hier vorgestellten Schmucksteine stammen vornehmlich aus dem Misox (Mesolcina); so heisst das südlichste Tal des Schweizer Kantons Graubünden. Der grösste Kanton der Schweiz mit seinen "1000 Tälern" umfasst einen alpinen Kulturraum von besonderem Reichtum. Ebenso vielfältig wie Kultur, Sprache (Deutsch, Rhätoromanisch, Italienisch), Topographie, Klima und Vegetation sind der geologische Aufbau und die Mineralienwelt des Bündnerlandes.

Das Misox - als Teil von Italienisch Bünden - und sein Zwillingstal, das Val Calanca, erreicht man von Norden her über die Passstrasse oder durch den Autotunnel des San Bernardino und von Süden via Bellinzona.

Wirtschaftlich und sprachlich sind die beiden Täler ganz nach dem Kanton Tessin ausgerichtet. Hauptort des unteren Misox ist Roveredeo (294 m), derjenige vom oberen Tal Mesocco (791 m).

Val Calanca und Val Mesolcina (Misox) in der Bildmitte unten Grono (Foto Jörg Krauer 1992)

Vesuvian

...erfreut sich bei Mineralogen und Sammlern immer wieder grosser Beachtung. Zusätzlichen Reiz erhält das auch visuell bezaubernde Mineral durch seine vielgestaltigen Erscheinungsformen in den seltenen alpinen Vorkommen.

In LAPIS 9/1994 erschien ein ausführlicher Vesuvian-Steckbrief. In Ausgabe 5/1998 charakterisierten Albert Wagner und Peter Stuker mit schönen Fotos und informativen Kristallzeichnungen die berühmten Vesuviane aus der Zone Zermatt-Saas Fee im Schweizer Kanton Wallis. Weiter im neuen "Mineralienlexikon der Schweiz" (Stalder et al. 1998) auch die apfelgrüne, dichte Vesuvianausbildung vom Piz Lunghin (GR) speziell erwähnt und abgebildet.

Bereits 1993 hatte Max WEIBEL über jenes Vorkommen von olivgrünen, mikrokristallinem Vesuvian im Misox (GR) berichtet. Diese Aufzählung einiger neuerer Vröffentlichungen über Vesuvian ist sicher noch nicht vollständig.

Als kleine Ergänzung zu diesen wissenschaftlichen Publikationen möchten wir hier berichten, wie die einmalige Misoxer Varietät in neuester Zeit als seltener Schmuck- und Sammlerstein "Karriere" gemacht hat.

Im Sommer 1987 entdeckte Jörg KRAUER im Val Traversagna oberhalb Roveredo ein kleines Vesuvianvorkommen. Das Besondere daran: es handelte sich um eine in dieser Qualität bisher nie gefundene olivgrüne, durchscheinend bis durchsichtige (!) mikrokristalline Varietät des Minerals (WEIBEL 1993). Als Gemmologe und Edelsteinschleifer erkannte der glückliche Finder gleich, dass hier nicht nur eine besondere Vesuvian-Ausbildung, sondern auch ein neuer Edelstein "das Licht der Welt" erblickt hatte.

Der Stein unterscheidet sich in Farbe, Feuer und Kristallzustand deutlich von allen andern bekannten alpinen Vesuvianen. Die aparte olivgrüne Färbung wird durch Eisen(II)-Ionen verursacht; in durchsichtigen Steinen züngeln sattgelbe Flammen. Der recht hohe Brechungsindex liegt bei 1, 72 und die Mohs-Härte beträgt 6,5.

Grüner Vesuvian aus dem Misox als Ohranhänger gefasst in Palladium und Gelbgold. Design: Peter Hablützel, Foto: William Lergier


Weibel berichtet, dass vor über 35 Jahren zwei Geologie-Professoren von der ETH Zürich in der gleichen Region ein kleines Vorkommen von dichtem, hellgrünem Vesuvianfels gestossen waren (GANSSER & DAL VESCO 1962). Sie schrieben: "besonders interessant ist noch eine grössere Linse (1,5 m lang), die vorwiegend aus einem lichtgrünen, dichten Fels besteht, der wie Edelserpentin oder Jade aussieht."

Ihre Publikation fand aber nur wissenschaftliche Beachtung, obschon bereits damals ein identisches Mineral unter dem Namen "Californit" in Kalifornien als hachgeschätzter Jadeersatz abgebaut wurde.

Die beiden Geologen bargen damals offenbar auch keine olivgrün durchsichtigen Proben, so dass der KRAUER'sche Fund als erstmalig bezeichnet werden darf.

Leider ist, wie bei allen andern alpinen Edelsteinen, die Ausbeute an gemmologisch erstklassiger Qualität bis heute bescheiden geblieben. Extrem selten ist durchsichtiges, facettierbares Material; die wenigen geschliffenen Steine dieses Typs befinden sich in der Privatsammlung von Jörg KRAUER.

Dagegen konnte eine beschränkte Menge an durchscheinenden Rohsteinen, als Cabochon oder Tropfen geschliffen, für Schmuckstücke oder als Sammlersteine freigegeben werden. Die durchscheinenden Cabochons mit dem feinen Seidenglanz und den vielfältigen Einschlussbildern sind gemmologisch um Klassen höher einzustufen als "Californit" und erstklassiger Jadeit-Jade mindestens ebenbürtig.

Durchscheinende Vesuvian Cabochons bis 3.5 ct (Coll. Krauer / Foto: William Lergier)

Kalksilikate im Serpentinit

Zwischen Roveredo im Val Grono und der italienischen Grenze im Südosten sind in die steilstehenden Gneise und Carbonatgesteinszüge der Südschweizer "Wurzelzone" mehrere basische und ultrabasische Gesteinslinsen eingeschuppt. Der Kern der Linsen besteht aus serpentinisiertem Peridotit, die Randzonen aus - teils granatführendem - Amphibolit. Vom Albionasca-Tal bis über die südliche Gipfelpartie des 2227 m hohen Corno di Gesero erreicht man von Roveredo und Grono im Valle Mesolcina über Monti Laura und den 1848 m hoch gelegenen Vorberg von Cadolcia im obersten Valle d'Arbedo - insgesamt gut 1500 Höhenmeter. Von dort führt ein landschaftlich wunderschöner Almweg entlang der Baumgrenze in Richtung Albionasca-Tal. Von hier aus sind die Nord- und die Ostflanke des Corno di Gesero relativ leicht zugänglich. Beste topographische Kartengrundlage ist das Blatt 1314 "Passo S.Jorio" der schweizerischen Nationalkarte 1:25000.

Corno di Gesero 2227 m von Südosten (Foto Krauer 1992)

Alp Albion 1890 m im Hintergrund rechts der Bildmitte das Fundgebiet (Foto William Lergier)

Achtung: Sammler müssen berücksichtigen, dass im gesamten Gebiet von Mai bis Oktober Almwirtschaft stattfindet und deshalb Gesteins- und Mineralproben nur mit grösster Vorsicht entnommen werden dürfen. Das Gelände ist abschüssig und es dürfen keine Gesteinsblöcke auf die Almwiesen kollern!

Eine der ultrabasischen Gesteinslinsen lieht auf rund 2000 m SH. Sie ist deutlich verschiefert und stark hydrothermal überprägt, mit rötlichgrauen Flecken: bei diesem aus grosser Tiefe hochgeschuppten Gestein handelt es sich um einen serpentinisierten Peridotit mit tektonisch zerbrochenen , grauschwarzen Augit-Einsprenglingen. Mehrere Kalksilikatzonen mit aktinolithischer Hornblende und feinkörnigem Hessonit durchziehen gangartig (in 70-80/75/80°N) die NE-SW gelängte und in 45/70°NW verschieferte Ultrabasitlinse, die auf einer Fläche von rund 100 x 30-40 m aufgeschlossen ist. Die Kalksilikatgänge können drusige Partien mit strahligem Aktinolith, tafeligem Titanit, Epidot, körnigen Hessonit und wenig Diopsid führen.

Das Fundgebiet in Ultrabischer Linse im Gebiet der Alpe Albion

Metergrosse Kalksilikatlinse (Foto Weibel 1993)


Wachsgrün durchscheinender, meist nur in kleinsten Partien schleifwürdiger Vesuvian ("Californit") beschränkt sich auf zwei in Steichrichtung angeordnete, langgestreckte Kalksilikatlinsen. Sie erreichen bis zu anderthalb Meter Länge und bestehen aus granatführendem Epidotfels mit Diopsid und grünen Vesuvianschlieren im Kern, umgeben von Aktinolithschiefer.

Der glückliche Finder beim Abbauen (Foto: Weibel 1993)

Partie mit schleifwürdigem Material in Kalksilikatlinse

Auf den ersten Blick sieht das grüne Gestein der Kernpartien wie Edelserpentin aus; der Zähigkeit und Härte nach ähnelt es Jadeit. Mineralogisch handelt es sich hier um einen feinstkörnig-dichten Vesuvianfels (Korngrösse nur 0,1 mm), dessen Farbe von zweiwertigem Eisen - nicht von Chrom - herrührt (WEIBEL 1993); manchmal durchziehen ihn pechschwarze, randlich in harzbraunen Titanit umgewandelte Schlieren aus Magnetit und Ilmenit (Röntgenanalyse: Dr. Günter NEUMEIER im Auftrag der LAPIS-Redaktion, Herbst 1999).

Gut durchscheinende oder sogar durchsichtige Partien des polykristallinen Vesuvianfelses weisen meist nur eine geringe Dicke auf (oft mur einige Millimeter) so dass klare, einschlussfreie Steine meist recht flach ausfallen; der grösste facettierte Stein misst 12 mm und wiegt 2.,54 ct.

Durchscheinende Partie schleifwürdigen Vesuvians 4x3 cm

Vesuvian 4.49 ct

Vesuvian facettiert 12x7.3 mm 2.54 ct

Cordierit

..ist ein in gemmologischer Qualität weltweit selten vorkommendes Mineral. In den Schweizer Alpen ist farbloser bis grünlichblauer, meist trüber Cordierit als gesteinsbildendes Mineral verschiedener Glimmerschiefer, Hornfelse und Pegmatite bereits seit Mitte der 1950er Jahre bekannt.

Die neuesten Funde von Cordierit in durchscheinender bis durchsichtiger Edelsteinqualität gelangen Jörg KRAUER in den Jahren 1987-1996 im mittleren Teil des Val Rebolgin, Misox. Dieses Tal läuft knapp 8 Km nordöstlich Roveredo bei Sorte in das Val Mesolcina ein. Beste topographische Kartengrundlage ist das Blatt 1294 "Grono" der schweizerischen Nationalkarte 1:25000.

Begleitgestein ist ein Amphibolit, der Glimmerschiefer und Gneise der Adula-Decke durchzieht. Es handelt sich bei den Cordieriten, zusammen mit den Steinen vom Val Codera in Oberitalien, wahrscheinlich um die schönsten Funde in den Alpen. Eine Charakterisierung der Misoxer Cordierite mit optischen Daten und weiterführender Literatur gab STALDER 1991.

                    Cordierit im Gestein: Rund 3 cm (!) misst das grösste, weitgehend transparente Kristallkorn                           (Coll. Krauer / Foto: William Lergier)

Fundmöglichkeiten in dem seit Ende der 1980er Jahre immer wieder durch Murengänge betroffenen Tobel sind auch heute noch gegeben. Neben den - höchst seltenen - Proben mit blauen Cordierit finden sich auch Blöcke hochmetamorpher Gneise (Migmatite) mit Disthen-führenden Knauern.

Das Fundgebiet Val de Rebolgin GR (Foto: Jakob Kindlimann 1989)

Im Herbst 1993 beprobte der Zweitautor eine elliptische Talklinse mit halbdurchsichtigem bräunlichrotem Staurolith in scharfkantigen stengeligen Kristallen von 2-4 mm Länge. Wegen seiner ungewöhnlich leuchtenden Farbe und Transparenz wurde das Mineral noch im selben Jahr mittels Röntgendiffraktometrie untersucht und bestätigt. (St.W.).

Die gemmologische und kommerzielle Bedeutung der Misoxer Cordierite wird, ebenso wie bei den entsprechenden Vesuvian- und Rubinvorkommen, durch die geringe Menge an erstklassigem Material begrenzt. Bis heute konnte Jörg KRAUER rund zwei Dutzend durchsichtiger Cordierite facettieren, die meisten deutlich unter einem Karat. Die Cordierite begeistern durch ihre herrlich veilchenblaue bis blauviolette Farbe, ihre Reinheit und ihren lebhaften, richtungsabhängigen Farbwechsel (Pleochroismus). Dieser muss allerdings beim Schleifen berücksichtigt werden, was ein entsprechendes Können voraussetzt.

Durchscheinendes und undurchsichtiges Material ist naturgemäss reichlicher vorhanden und wird zu hübschen Cabochons geschliffen.

                                       Vier Cordierit-Cabochons aus dem Val de Rebolgin, 4,6 bis 17,6 ct schwer                                               (Schliff: Jörg Krauer / Foto: William Lergier)

                                 Drei wasserklare facettierte Cordierite( (0.2 bis 0,6 ct) aus dem Misox.                                                (Coll. / Schliff: Jörg Krauer / Foto: William Lergier)

Korund-Rubin

Ein Kapitel über die europäischen Korundvorkommen verfasste HOCHLEITNER für das extraLapis N°15 "Rubin, Saphir, Korund". In den Schweizer Alpen sorgte vor allem der grosse Rubinfund von 1992 am Passo Cadonghino von Ilaria ROVETTI und ihrem Vater Ambrosio für Aufsehen. Der Fundbericht in LAPIS 9/1994 liest sich wie ein modernes Märchen.

Neben diesem sensationellen Fund im Triasdolomit treten die übrigen klassischen Korundvorkommen in den Schweizer Alpen etwas in den Hintergrund - darunter diejenigen vom Valle d'Arbedo nahe Bellinzona und östlich davon im Val Traversagna/Misox (HUNSTIGER 1989, S. 123; STALDER 1991, S. 208-209).

Die ersten - rosaroten - Korunde aus Amphibolitblöcken des Valle d'Arbedo beschrieb Rudolf STAUB (1916): "Die leuchtend roten Körner im Strahlsteinschiefer des hinteren Val d'Arbedo sind also Rubine. Die Sage, dass die Herzöge von Mailand einst aus der Talschaft Gorduno kostbare Rubine bezogen hätten, scheint daher auf Tatsachen zu beruhen."

                           Rosafarbener Korund und grüner Pargasit sind Hauptbestandteile dieses Korundfelsens                                         vom Val Traversagna im Misox. Anschliff, Grösse 12 x 8 cm (Coll. Krauer / Foto: William Lergier).

In der Tat haben die Herzöge des Geschlechts der SFORZAS um 1500 Edelsteine aus dem Tessin bezogen, doch könnte es sich dabei genausogut um die blutroten Pyrope von der Alpe Arami oberhalb Gorduno gehandelt haben (vgl. LAPIS 1/1998, Seite 6).

Dieses Rätsel lässt sich wohl nur durch direkte Bestimmung der Preziosen aus dem Schatz der SFORZAS lösen, wie bereits STALDER 1991 anmerkte.

Zu Beginn der 1990er Jahre entdeckte Jörg KRAUER im Val Traversagne wiederum schönfarbene, meist undurchsichtige bis durchscheinende, selten auch durchsichtige Rubine und Saphire Es handelt sich um rundlich-plattige einst im noch plastischen Amphibolith metamorph gesprosste Kristalle (Porphyroblasten). Sie können mehrere Zentimeter Grösse erreichen; ihre Färbung ist nicht selten fleckig, doch zeigen die Steine im Anschliff oft interessante Wachstumszonierungen.

Drei Rubin-Cabochons aus dem Val Traversagna, bis 16 x 11 mm gross und bis 16.5 ct schwer. (Coll. Krauer / Foto W. Lergier)

Von Arbedo zur Traversagna

Die Rubinfundstellen liegen in Amphibolitlinsen innerhalb der bereits oben beschriebenen Tessiner "Wurzelzone", nur 2 km nordwestlich und knapp 3 km nordöstlich der Vesuvianfundstelle vom Corno di Gesero. Die Amphibolithe ziehen sich auf einer tektonischen Linie vom oberen Val d'Arbedo bis ins obere Val Traversagna.

Das Anstehende ist nur über eine enge und kurvige, rund 15 km lange Bergstrasse zu erreichen, die von Roveredo ins Val Traversagna bis zur Staumauer der Roggiasca führt. Die nur ganz lokal rubinführenden Amphibolithe streichen unterhalb der Staumauer in 70/80°N (Süd) bis 35/75° NE (Nord). Die Mitte der 1980er Jahre entdeckte Zone lieferte nach einem Hangrutsch (um 1990) und vor allem bei der Verbreiterung des Weges zum Fahrweg (1993) gute Rubinfunde. Hier sind die Fundmöglichkeiten heute so gut wie erloschen.

                                     Jörg Krauer legt ein 6 cm grosses rosarotes Rubinkorn im Pargasitfels frei.                              Val Traversagna Frühjahr 1993

Dagegen lassen sich - vor allem nach Hochwässern - im gesamten unteren Teil des Traversagna-Tals, sogar noch direkt an der Einmündung in die Moesa, rubinführende Amphibolithblöcke oder lichtgrüne "Kiesel" aus feinstrahligen Pargasit-Amphibolith mit rötlichen, einige Millimeter grossen Korund-Scheibchen entdecken.

Korund oder Rubin?

WEIBEL charakterisiert 1990 die "nie durchsichtigen und nur schwach gefärbten" Steine aus der Zone Arbedo TI - Traversagna GR als Korunde, weil ihr Chromgehalt verschwindend klein sei <0.01 % Cr2O3, um 0.2 Gew. % Fe2O3). Demgegenüber ergaben neuere Analysen mit der Mikrosonde an den leuchtendroten Korunden von Roggiasca im Val Traversagna Chrom (III)-oxid-Gehalte bis zu 0.8 Gew. % (Michael HÜGI in STALDER 1991). GÜBELIN nennt für die aussereuropäischen, hochedlen Rubine Chromoxidgehalte zwischen 0.02 und 0.6 %, wobei die kostbaren taubenblutroten Steine "nur" 0,1 % Chrom (III)-oxid enthalten.

               Zonare Rubinkörner in Pargasitmatrix, angeschliffen, Bildbreite 3 cm. Roggiasca, Val Traversagna.                         (Coll. Krauer / Foto: Stalder)

Lassen wir doch die Nomenklaturfrage offen und frteuen wir uns, so oder so, an den seltenen Produkten der alpinen Metamorphose.

Interessant ist das Verhalten der Korunde im UV-Licht: Eine starke karminrote Fluoreszenz im UV-Licht zeigen nur die intensiv roten Körner mit den höheren Chromgehalten, d.h. die eigentlichen Rubine (die Fluoreszenz im kurzwelligen UV ist bedeutend schwächer). Dagegen fluoreszieren relativ eisenreiche und chromarme, blass rosa gefärbte Korund-Körner nicht (HUNSTIGER 1989: STALDER 1991).

Jörg KRAUER schleift die schönsten Partien seiner Rubinfunde vornehmlich zu feinen Cabochons und Peter HABLÜTZEL sagte sich: "es muss nicht immer MOGOK sein"; er integriert die aparten Steine mit den lieblichen, fröhlich rosaroten bis rotvioletten Farbtönen in seine Schmuckkollektion.

Selbstverständlich lassen sich diese Rubine nicht mit denen aus den berühmten überseeischen Vorkommen vergleichen. Zweifellos werden sie jedoch, sei es als seltener Sammlerstein oder gefasst in exklusiven und dennoch bezahlbaren Unikaten, viel Freude bereiten und unsere Sehnsucht nach der Bergwelt wachhalten.

Dass Kleinodien an den extrem raran alpinen Edelsteinen dennoch erschwinglich bleiben, ist nur möglich, weil bei allen Beteiligten - Strahler, Schleifer und Goldschmied - nicht nur kommerzielle Überlegungen, sondern auch viel Liebe und Idealismus mitspielen.

Rubin-Cabochon (2, 8 ct) aus dem Misox, beweglich gefasst in einen Anhänger aus Gelb- und Weissgold.                    Design: Peter Hablützel, Foto: William Lergier

Text Lapis H.12/1999 im Weise Verlag München/ Bilder William Lergier / Jörg Krauer